Diese Frage darf sich am Ende dieses Blogposts jeder versuchen selber zu beantworten.
Aber worum geht es? Erst einmal darum das die Stadt Gelsenkirchen heute eine neue Gesamtschule eröffnet hat, und zwar jene an der Europastraße. Und ja diese Schule ist hier bitter notwendig, auch wenn so manche politische Kraft im Gelsenkirchener Stadtrat das wohl anders sieht. Denn die Stadt Gelsenkirchen befindet sich im Wandel und diesem müssen auch die Schulen Rechnung tragen, vor allem im Gelsenkirchener Süden.
Hier gibt es zwar Teilweise die vier Altstadtgymnasien in einem Radius von 15 min Fußweg (wenn man nur Gauß, RHG und Grillo nimmt sind es keine 5 min) aber ansonsten nicht viel. Vor allem bei den Gesamtschulen ist die Situation katastrophal. Hier hat man nur die Auswahl zwischen Gesamtschulen mit so guten Ruf das man kaum die Chance auf eine Aufnahme hat, oder Gesamtschulen die schon zu meiner Schulzeit vor 30 Jahren einen so schlechten Ruf hatten das dort niemand seine Kinder freiwillig hinschicken möchte. Dies ist übrigens nicht nur meine Meinung, in den Medien wurden vor kurzer Zeit die Anmeldezahlen für die Gesamtschulen in Gelsenkirchen veröffentlicht (leider hinter einer Paywall).
Von daher ist es absolut erfreulich und notwendig das die Gesamtschule an der Europastraße heute mit 112 Schülern an den Start gegangen ist. Und das ist ja erst der Anfang, dort entsteht ein kompletter neuer Schulcampus. Vollständig ausgebaut soll die Schule anscheinend ca. 1000 Schülern beherbergen.
Und damit kommen wir jetzt auch zum eigentlichen Problem. Diese 1000 Schüler sollen ja auch sicher zur Schule und wieder zurück nach Hause kommen. Und das ist heute schon ein Problem. Wir haben unsere Kinder über die letzten Jahre fast täglich zu Fuß die 1.8 km von unserem Wohnort zur Schule an der Erzbahn gebracht und wissen genau genau wie Rücksichtslos viele Autofahrer in Gelsenkirchen agieren. Auch wissen wir was für ein extremes Problem mit falsch parkenden Autos besteht. Dieses Problem bekommt die Verkehrsüberwachung in Gelsenkirchen seit Jahren nicht in den Griff. Dabei sind falsch geparkte Autos, vor allem die von viele so geliebten Vorstadtpanzer, ein echtes Problem da Sie die meistens Grundschüler (und auch Fünftklässler) überragen und verdecken.
Bei der neuen Gesamtschule an der Europastraße kommt noch ein ganz anderes Problem dazu. Sie liegt in einem Gewerbegebiet welche die Zufahrt für Logistikunternehmen etc. ist. Das bedeutet: hier rollt der Schwerlastverkehr und zwar schon morgens, wo sich derzeit nur knapp über 100, aber in absehbarer Zeit knapp 1000, Schüler auf den Weg zur Schule machen.
Ich habe das ganze mal auf einigen Fotos festgehalten damit man sich ein Bild machen kann.

Im Hintergrund sieht mach die Schule, das rote Gebäude und im Vordergrund den Kreisverkehr der hier nachher noch wichtig wird.

Und hier noch mal der Kreisverkehr aus einer anderen Perspektive. Bemüht man den Unfallatlas der statistischen Ämter des Bundes und der Länder dazu, bemerkt man das es in 2025 hier schon 7 Unfälle mit Personenschäden gab. Die Jahre davor sehen ähnlich aus. Und da ich hier regelmäßig vorbeikomme kann ich nur sagen: hier ist bisher nicht viel los wo etwas schief gehen kann. Wenn sich hier nichts ändert wird das in den nächsten Jahren sicher nicht besser.

Hier sieht man die Straße wie Sie geradewegs auf die Schule zuführt. 200m glatter recht neuer Asphalt, der zum beschleunigen quasi einlädt. Wir wohnen gut 500-1000m von dieser Stelle entfernt und können jede Nacht hören wie junge Männer, in geleaseden stark motorisierten Autos deutscher Edelmarken, die Motoren heulen lassen und mit gefakten Fehlzündungen die Anwohner terrorisieren. Auch ein Problem was man hier einfach nicht in den Griff kriegt. Gesäumt wird die Straße von parkenden LKW’s und Autos. Die Autofahrer hindert hier auch nichts die erlaubten 30km/h zu überschreiten. Keine Einbauten in der Straße, keine permanente Radarkontrolle etc.

Hier erkennt man den Überweg genau vor der Schule, wir schauen in Richtung des Kreisverkehrs von dem wir gerade gekommen sind, und man sieht auch direkt ein Problem: parkende LKW blockieren die Sicht auf den Übergang. Einen Zebrastreifen gibt es hier nicht, auch keine Ampel. Witziger Funfact: bis ca. zu den Sommerferien gab es hier eine Baustellenampel, für Autos wie auch für Fußgänger. Sie wurde im Rahmen der Baustelle scheinbar benötigt aber pünktlich zum Beginn der Schuljahres entfernt.

Die ist die andere Fahrtrichtung der Straße. Wenn ein Autofahrer hier früh genug nach recht schaut sollte er/sie wenigstens keine Probleme haben Kinder am Übergang früh genug zu erkennen. Jedoch befinden wir uns hier auch vor der Einfahrt zur Schule, und da werden in Zukunft die Elterntaxis sicher Schlange stehen.

Auch wenn man sich die Straße weiter hinauf bewegt bemerkt man zwar viele Parkplätze und viel gerade Strecke, die zu deutlich mehr als 30km/h einlädt, aber keine in irgendeiner Art geschützten Fußgängerüberwege.

Und wenn man sich folgendes Bild ansieht dann bemerkt man noch etwas anderes: es gibt hier nirgendwo einen Fahrradstreifen. Fahrräder und Fußgänger müssen sich diesen 2m breiten weg teilen, oder die Radfahrer müssen auf die Straße ausweichen. Das ganze passt irgendwie so gar nicht zum Masterplan Mobilität den die Stadt Gelsenkirchen 2022 in einem Gutachten hat festschreiben lassen. Städtebautechnisch hat das ganze sicher seine Richtigkeit. Denn wir sind hier ja in einem Industriegebiet.

Damit man einen besseren Überblick bekommt hier noch einmal eine Übersicht der Situation.
Meine Anfrage an die Stadt Gelsenkirchen
Wer den Blog schon mal gelesen hat weiß, ich habe eine Vorgeschichte beim Thema Schulweg und Stadt Gelsenkirchen.
Da meine Kinder in Zukunft auch die Gesamtschule an die Europastraße besuchen werden, fragte ich einfach mal beim Referat für Verkehr an was hier geplant ist. Vor allem auch vor dem Hintergrund das am 27.01.2026, nicht unweit dieser Schule, ein Mädchen auf Schulweg zu Tode gekommen ist, überfahren von einem Lastwagen. Wo dieser hinwollte kann man sich leicht vorstellen. Sie besuchte übrigens die gleiche Schule wie meine älteste Tochter.
Also schrieb ich am 08.07.2026 eine E-Mail an das Referat Verkehr der Stadt Gelsenkirchen, Bezug nehmend auf dieses Todesfall sowie die Situation vor Ort, mit der Frage was die Stadt Gelsenkirchen zu tun gedenkt. Soll vor der Schule eine Ampel installiert werden, oder wie sieht es mit Strasseneinbauten aus um die Geschwindigkeit zwangsläufig zu verringern, oder denkt man über einer permanente Geschwindigkeitskontrolle nach?
Einige Wochen vergingen und am 03.08 traf dann tatsächlich folgende Antwort ein:
Sehr geehrter Herr Sengotta,
vielen Dank für Ihre Mail vom 08. Juli 2026 in der Sie die Verkehrssituation im
Bereich der Europastraße ansprechen.
Das Areal des ehemaligen Industriestandortes „Schalker Verein“ ist größtenteils als
Gewerbe- und Industriegebiet im Bebauungsplan festgeschrieben. Entsprechend der
daraus resultierenden Ansprüche erfolgte die verkehrliche Erschließung mit den
erforderlichen Ausbaustandards. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sind für solche
Gebiete nicht vorgesehen und aufgrund der notwendigen Flächenbedarfe und
Anforderungen des Schwerlastverkehrs haben z. B. Fahrbahnversätze nur
geringfügige Auswirkungen auf den PKW-Verkehr.
Eine gesicherte Querung der Europastraße befindet sich am Kreisverkehr
Hohenzollernstraße. Dieser ist an allen vier Zufahrtstraßen mit Fußgängerüberwegen
ausgestattet und bevorrechtigt den Fußverkehr.
Leider besteht durch menschliches Versagen auch an vermeintlich sicheren
Querungsstellen wie überall im Straßenverkehr immer die Gefahr, dass
Verkehrsteilnehmende Schaden nehmen. Die Missachtung der Vorfahrt kann weder
mit baulichen noch mit verkehrsrechtlichen Maßnahmen zwingend verhindert
werden.
Im März 2025 wurde bereits aufgrund der besonderen Verkehrssituation auf der
Europastraße die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Bereich Brüsseler Straße auf
30 km/h reduziert.
Die Anordnung von geschwindigkeitsbeschränkenden Maßnahmen ist auf
Vorfahrtstraßen vor sensiblen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten,
Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern gemäß einer
Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung inzwischen nicht mehr an die Feststellung
einer besonderen Gefahrenlage gebunden und kann daher leichter umgesetzt
werden.
Da streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkungen durch
straßenverkehrsrechtliche Anpassungen, bis zu 500 Metern zwischen zwei
bestehenden Tempo 30-Strecken, zusammengeführt werden dürfen, besteht aktuell
auf der Europastraße zwischen Hohenzollern- und Luxemburger Straße ein
durchgehendes Streckenverbot von 30 km/h.
Der Verkehrsüberwachungsdienst hat hierzu mehrere mobile Messstellen
eingerichtet, die mit erhöhter Überwachungsintensität kontrolliert werden, um die
Einhaltung der angeordneten Geschwindigkeitsbeschränkungen durchzusetzen.
Mit Eröffnung der Kulturschule wird die Europastraße zudem in das städtische
Einsatzkonzept für sogenannte Dialogdisplays (Smiley Tafeln) aufgenommen. Diese
dienen der Sensibilisierung von Lkw- und Pkw-Fahrenden, indem sie die jeweils
gefahrene Geschwindigkeit visualisieren und zu einer angepassten Fahrweise
auffordern.
Des Weiteren können Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen das
Beratungsangebot des schulischen Mobilitätsmanagement der Stadt Gelsenkirchen
nutzen. Es legt den Schwerpunkt auf die Wissensvermittlung, um junge Menschen
möglichst frühzeitig für Themen der Verkehrswende und Verkehrssicherheit zu
sensibilisieren. Dabei gibt es Maßnahmen, die die Schulen in Eigenregie durchführen
können und andere, bei denen die Stadt Gelsenkirchen unterstützend agiert.
Die vorgestellten Maßnahmen dienen dazu, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, für
Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen sowie für den allgemeinen
Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr der Europastraße.
Ungeachtet der vornehmlichen Funktion der Haupterschließungsstraße wird die
Situation weiter beobachtet und die Verkehrsüberwachung kontinuierlich fortgeführt.
Mit freundlichen Grüßen
Diesen Text musste ich erst einmal auf mich wirken lassen. Denn im Endeffekt steht dort: wegen des Schwerlastverkehrs können wir hier nichts machen außer Tempo 30 und eine Smiley- Tafel die einem sagt das man zu schnell ist. Effektiv zum Schutz der Kinder wird hier nichts beigetragen, diese sollen sich darum selber kümmern. Die Schüler sollen doch einfach den, auf der oben zu sehenden Karte, links liegenden Kreisverkehr nutzen. Für Kinder die die Schule aus östlicher Richtung (rechts) erreichen ein Umweg von gut 400m, man kann sich da schon die Frage stellen wie viele Schüler diesem Umweg machen, oder einfach schnell über die Straße huschen.
Wenn man es ernst meint mit der Verkehrssicherheit muss man hier anders agieren. Dazu lohnt es sich zum Beispiel in unser Nachbarland die Niederlande zu schauen. Dort wird der motorisierte Individualverkehr konsequent physisch von Fußgängern und Radfahrern getrennt, und zwar so das man sich sein Fahrzeug häufig schwer beschädigt wenn man so etwas missachtet.
So etwas hätte ich mir für den Schutz der Schüler hier auch gewünscht. Vielleicht hat man im Referat Verkehr auch meinen Vorschlag falsch verstanden, denn statt Einbauten hätte ich lieber „Bodenschwellen“ schreiben sollen. So kann man vor den Übergängen Autofahrer aktiv zur Reduzierung der Geschwindigkeit zwingen. Eine permanente Geschwindigkeitskontrolle hätte wahrscheinlich einen ähnliche Effekt.
Freunde und meine Frau haben heute die Oberbürgermeisterin bei der Eröffnung der Schule noch einmal auf dieses Problem hingewiesen. Sie meinte das Sie dieses Problem mitnehmen wird. Ob da was passiert, darauf darf man gespannt sein.
Derzeit kann man nur sagen tut die Stadt Gelsenkirchen, meiner Meinung nach, zu wenig für die Sicherheit der Schüler auf dem Schulweg. Und zwar nicht nur an der Europastraße, sondern insgesamt im Stadtgebiet. Das hat der 27.01.2026 eindeutig gezeigt, und es kann nur der Anspruch sein so etwas in Zukunft zu verhindern. Stichwort: Vision Zero. Wenn der Schwerlastverkehr, und der motorisierte Individualverkehr, dafür halt ein wenig langsamer durch Gelsenkirchen rollt, dann kann mir das nur recht sein.
Kommentare
@blog Alter, es gibt einen Grund, warum Nachrichten im Fediverse eine Zeichenbeschränkung haben.
Les deine Nachricht mal auf einem Handy .
Was immer da drin steht mag ja stimmen – habe es nicht gelesen – aber so kommst Du nie an retroets oder Leser*innen in brauchbarer Anzahl. Du bekommst eher blocks.
Solltest Du es nur losgeworden sein wollen, dann fair enough. Aber such Dir winen Server mit korrekter Zeichenbeschränkung.
Remote-Antwort
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Ich weiß echt nicht was du für ein Problem hast, aber das Fediverse (bzw. Activity Pub) kennt halt mehr Inhaltsformen als das willkürlich auf 500 Zeichen beschränkte Microblog Format, was sich der Macher von Mastodon ausgedacht hat. Die 500 Zeichen sind im Fediverse nämlich nicht in Stein gemeißelt falls du das bisher noch nicht wusstest.
Wenn solche Beiträge bei dir ein usability Problem darstellen (springen beim scrollen etc.) dann ist das eher ein Problem deines eingesetzten Activity Pub Clients (Mastodon) bzw. dessen Frontend.
Ich nutze zum Beispiel einen GoToSocial Server mit Phanpy als Frontend (was man auch als Frontend für Mastodon nehmen kann) und habe solche Probleme nicht.
Über zu wenig Follower kann ich mich übrigens auch nicht beschweren, da es mir hier nicht um den Fame geht.
@blog mir ist die Technik schon bewusst. Ich tue mir trotzdem schwer damit zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die gerne auf kleinen mobilen Endgeräten so lange Texte lesen. Mag aber auch an Altersweitsicht oder -starrsinn liegen oder wieder am fehlenden Fokus.
Und vermutlich fehlt dann eine Funktion in meinem Client solche langen Texte pauschal zu blocken. Wäre aus meiner Sicht ein sinnvolles feature. Auf dem Webclient wäre das feature wiederum nicht relevant.
Remote-Antwort
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@blog und außerdem sai erwähnt, dass Mastodon das gar nicht mag und ständig wieder auf diese langen Troets springt beim Scrollen. Weswegen ich mich eigentlich bemüßigt fand das mit den langen Nachrichten zu schreiben.
Wie gesagt, Dein Engagement in Ehren, aber so ist das blöd im FediVerse.
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@blog und außerdem sei erwähnt, dass Mastodon das gar nicht mag und ständig wieder auf diese langen Troets springt beim Scrollen. Weswegen ich mich eigentlich bemüßigt fand das mit den langen Nachrichten zu schreiben.
Wie gesagt, Dein Engagement in Ehren, aber so ist das blöd im FediVerse.
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