Eurosky – Bluesky nur für Europa?

Ich war gestern auf einer Veranstaltung mit Alexandra Geese welchen den Titel trug: „Wie soziale Medien die Demokratie zerstören – und wie wir sie mit einem starken Europa retten“.

Okay was ich aus dieser Veranstaltung mitgenommen habe war nicht sehr ermutigend: solange sich die EU von Trump erpressen lässt sind DSA und DMA nicht das Papier Wert auf dem Sie gedruckt sind. Regulierung von US Diensten ist also nicht absehbar, bei Tiktok sieht es ggf. anders aus. Naja jedenfalls konnten wir das Fed Hub Gelsenkirchen und das Fediverse ein bisschen promoten, das ist ja auch schon was.

Ein andere Erkenntnis dieses Abends beschäftigt mich jedoch mehr: es gibt eine Initiative die einen Gegenpol zu außereuropäischen Social Media Konzernen unter dem Namen Eurosky schaffen will, basierend auf Bluesky’s AT Protokoll. Okay bei letzterem Teil war meiner Überraschung (oder Empörung?) wohl so groß das selbst Frau Geese das gesehen haben dürfte. Ich weiß ja nicht wie es bei euch ist, aber bis gestern Abend habe ich von diesem Projekt noch nie was gehört. Dabei spukt es wohl schon seit gut einem halben Jahr durch die Welt.

Schauen wir uns doch mal an was man mit Eurosky erreichen will: im Endeffekt will man eine Plattform bereitstellen auf der Startups Ihre eigenen Social Media Services anbieten können. Diese Plattform soll schon die schwierigsten Probleme gelöst haben: Identitätsmanagement, Compliance zu geltenden Gesetzen (inkl. Moderation) etc., Storage, Monetarisierung und Zahlungsabwicklung.

Man sieht wo das hingeht. Aber ja, wenn man ein „Erfolgreiches“ (Erfolg kann man ja durchaus unterschiedlich definieren) soziales Netzwerk gründen möchte dann muss man den Content Creators auch eine Möglichkeit geben damit Ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sind ja nicht alles Idealisten die das in Ihrer Freizeit machen.

Nach Aussagen von Frau Geese ist wohl für viele Projekte das Problem das, wenn Sie größer werden, Sie mit den regulatorischen Anforderungen wie Moderation etc. nicht mehr hinterherkommen. Dieses Problem soll der Stack von Eurosky lösen. Wie? Das wurde weder gestern thematisiert noch kann man es auf der Eurosky Website nachlesen. Aber man kann es sich auf Vimeo mit einer Live Demo anschauen: https://vimeo.com/1140579395. Dies zeigt wie Eurosky User Content Flaggen und entfernen kann. Denn das ist ja der Clou: auch wenn Bluesky sein AT Protokoll immer so dezentral präsentiert, ist es das in Wirklichkeit nicht. Dazu kann man sich sehr viele Analysen im Netz durchlesen, von Leuten die dieses Protokoll wesentlich besser kennen als ich. Was ich mich nur frage: selbst wenn die Moderationstools da sind, wer bezahlt die Menschen die sie nutzen?

Funding ist bei Eurosky eh so eine Sache, wer finanziert das ganze denn bitte (auch in Zukunft)? Ich habe dazu seit gestern Abend keine einfache Antwort gefunden. Man plant zumindest in den nächsten 12 Monaten (wann die begannen kann man nicht sagen) 5-7 Millionen Euro einzunehmen, bis 2028 sollen es 15 Millionen Euro sein. Woher? Steht dort nicht. Derzeit finanziert sich das ganze wohl aus Spenden von Einzelpersonen zur Free Our Feeds Kampagne die bisher gut 330.000 USD via GoFundMe eingenommen hat, und unter der gleichen Schirmherrschaft wie Eurosky steht, nämlich der Modal Foundation. Es ist klar das diese 330.000 USD nicht lange reichen werden um ein zentral organisiertes Social Network zu Betreiben. Also entweder bedient man sich zukünftig an Fördertöpfen der EU oder muss sich Investoren suchen. Wie es dann mit der Unabhängigkeit aussieht? Wer weiss das schon.

Die Ziele sind auf jeden Fall hoch gesteckt. Bis 2030 sollen 50% der Social Media Aktivitäten über Europäische Plattformen laufen. Vorausgesetzt der Kunde spielt mit.

Wenn man sich die Köpfe hinter Eurosky anschaut dann sieht man auf jeden Fall schon warum hier das AT Protokoll eine naheliegende Wahl ist. Sebastian Vogelsang, Co-Lead bei Eurosky, bietet zum Beispiel Flashes for Bluesky an. Auch die anderen Showcase Dienste sind keinesfalls neu, sondern auch schon mal für Bluesky da gewesen. Ich hoffe nur das man sich mit dieser Protokollwahl nicht zu stark von der US Firma hinter Bluesky abhängig macht, welche das Protokoll maßgeblich entwickelt.

Also was nehme ich davon mit? Einerseits finde ich es gut wenn es mehrere europäische Social Media Alternativen gibt. Das Fediverse passt nun mal nicht überall, vor allem wenn es um das Thema Monetarisierung geht. Warum es jetzt unbedingt das unter Bluesky Governance stehende AT Protokoll sein muss und man nicht das unter der Kontrolle der W3C stehende ActivityPub verwendet wissen wohl nur die Projekt Initiatoren. Falls mal public Money in dieses Projekt fließt wäre dies bei der Weiterentwicklung von ActivityPub, meiner Meinung nach, besser angelegt.

Ich bin auf jeden Fall gespannt wie die Story weitergeht und werde mir eher bei Eurosky einen Account anlegen als bei Bluesky.

Übrigens die meisten Info habe ich von folgenden Seiten:

https://www.eurosky.tech

https://www.modalfoundation.org

https://freeourfeeds.com

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Kommentare

  • @blog Danke für die Zusammenfassung zu Eurosky.

    1. @ruiten gerne ich hoffe ich konnte die Fakten korrekt wiedergeben @blog

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